Verarbeitung vom Flachs zum Leinen

Lein, Flachs, oder man sagt auch die Hundertpflanze, weil der Lein am hundertsten Tag des Jahres ausgesät wird, nach 1oo Stunden keimt und hundert Tage nach der Aussaat geerntet wird. Die Aussaat war ein besonderes Ritual, was dem Oberhaupt der Familie vorbehalten war. Zu diesem Anlass bekam Vater eine saubere Arbeitshose und einen sauberen Leinenkittel an. Damit er nicht bei der Aussaat fluchen konnte, weil der Boden im April manchmal noch sehr feucht und rutschig ist, bekam er einen harten Kannten Brot, oder einen Weidenzweig in den Mund gesteckt. Fluchen beeinflusste das Wachstum der Pflanze meinte man.

Die Ernte

Inzwischen sind hundert Tage nach der Aussaat vergangen, der Flachs hat seine Gelbreife erreicht und die Ernte kann beginnen. Der Flachs wird ausgerauft, getrocknet und geriffelt, d.h. von den Knötchen befreit. Die geernteten Samen wurden weiterverarbeitet zu Leinöl oder als Mastfutter für die Schweine genommen, aber nie wieder für die Aussaat. Eines kann man nur ernten, entweder die Faser oder die Saat. Beides ist nicht möglich, denn nach hundert Tagen Reifezeit hat man an der Pflanze reife, unreife Kapseln und auch noch Blüten und man hat nicht die Gewähr für eine gleichmäßige Keimung als Saatgut. Das Saatgut wurde aus den Baltischen Länder bezogen, wo die Saatzuchtbetriebe Ansässig waren.

Die Rotte oder auch Röste

Der Flachs wird auf abgeernteten Gerstenfeldern ausgelegt und ständig gewendet, damit Tau, Regen und Sonne die Faser von der Rinde trennt. Je nach Wetterlage dauert der Vorgang etwa 4 bis 6 Wochen. Nach der Rottung wird der Flachs getrocknet und eingefahren.

Das Flachsbrechen

Im Oktober, wenn die Feldarbeiten beendet waren lud man zum Flachsfest ein, an der meist die ganze Dorfgemeinschaft teilnahm. Es wurden die Backöfen angeheizt, Brot und Kuchen für das Fest gebacken und in die Restwärme der Öfen kam dann der Flachs, damit er knochentrocken wurde und sich gut brechen ließ. Mit der groben Brake wurde nun der Flachs bearbeitet, dass die Schebe nur so flog. Die Schebe oder auch die Rinde nahm gerne der Lehmbauer für den Außenputz der Fachwerkwände. Ein Gemisch aus Lehm, Kalk, Quark und die Schebe, welches einen atmungsaktiven und festen Außenputz ergab. Die Frauen übernahmen nun den gebrochenen Flachs zur Weiterverarbeitung. Er muss mit der Streichbrake von der restlichen Schebe befreit werden. Danach wurde der Flachs gehechelt und die Rissen, so nennt man eine gute Handvoll, zu einem Dissen gebunden und für die Spinnerinnen weggehängt. 10 Rissen ergaben immer einen Dissen, Kloben, Knocken oder Zopf, je nach dem, im welchen Ländle man sich befand. Ein Dissen hat etwa 350 – 4oo gr. und ist die Menge, welche man für einen Spinnwocken benötigt. Die ausgehechelte Hede bekam der Installateur zum dichten der Rohre, der Polsterer für die Polsterung, oder junge Mädchen die noch spinnenlernen mussten, spannen daraus Wurstband, Sackleinen und grobes Leinen für Arbeitskleidung.

Das Spinnen

Von November bis kurz vor Ostern wurde gesponnen. Nachdem ein Wocken hergestellt war begann die Arbeit in lustiger Runde. Es wurden Spinnlieder gesungen und Geschichten erzählt oder der neueste Dorfklatsch verbreitet. War die Spinnzeit beendet, kamen die gesponnenen Stücke mit Steinen beschwert an Nägel zum aushängen. Die Arbeit war beendet, etwas an den Nagel hängen. 1 Stück = 10 Bind zu 200 m =2000 m Flachs liegt zu Gold. Frischgebrochener Flachs ist in der Faser noch sehr grob, weil jede Faser ein Faserbündel ist. Durch trockne Lagerung teilt sich die Faser, bis sie sich wie Seide anfühlt. Grundsätzlich verspann man immer den ältesten Flachs. War ein Spinnwocken mit Zöpfchen versehen, so war es ein Brautwocken, den die junge Frau von ihren Eltern und der Verwandtschaft zur Hochzeit bekam. Darin eingewickelt war Schmuck und Geld und während der Arbeit fiel ihr alles Gute in den Schoß. Interessant ist, aus 100 kg Flachsstroh erhält man 7% = 7 kg spinnfähige Fasern. Von der Aussaat bis zum fertigen Tuch genau 2 Jahre benötigt. Aussaat 10. April, Ernte am 20. Juli, anschließend trocknen, rotten, trocknen, Oktober Verarbeitung, November – April spinnen, bis in den Herbst aushängen des Garns, gewebt wurde dann wieder bis ins Frühjahr, dann kam der Stoff auf die Bleiche und 2 Jahre waren um. Ein guter Weber webte 8 – 10 m am Tag und erhielt bei freier Kost und Logis, 10 Pfg. pro Meter. Bei Fehlern gab es Abzüge.

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